Angst haben (oder nicht)

Die Frage kam auf, ich tippe das die Tage mal runter, schreibe den Beitrag hier weiter.

Ein Geschichtchen vorab: Vor ein paar Nächten kam ein (nicht winziges) Tier am späten Abend in die Nähe meines Zeltes. Ich wollte nicht raus, fand die Stirnlampe nicht. Irgendwie mochte ich trotzdem weder meinen Zeltplatz, noch mein Essen (hing nicht all zu hoch im Baum) mit irgend einem Tier teilen.

Laut rufen fand ich doof. Da fiel mir mein Klingelton ein. 😁

Ganz schnell war ich wieder alleine. Gerne runterladen und bei Bedarf nutzen. 😎


Nun zur 😱😨😱🙀😰


Komplexes Thema

Darum möchte ich zunächst das Thema stark einschränken. Ich widme mich hier nur der „trivialen Angst“. Heisst: Nicht in eine substan unangenehm/gefährliche Situation geraten, bzw. wenn doch, wie komme ich bestmöglichst aus der Situation wieder raus.

Es geht nicht um Angst um Dritte und erst recht nicht um Ängste, die nur ausgebildete Dritte nehmen können.

Sehe noch einen Grenzfall: Extremsituationen (die in solchen Urlauben nun mal auftreten können) und die Gedanken, die man sich dann um Familie, sich selber, Freunde etc. macht. Das ist zu komplex für ein elektrisches Reisetagebuch.


Da hatte ich echt Angst

In diesem Urlaub gab es schon ein paar komische/unangenehme und teilweise gefährliche Situationen. In zwei Situationen hatte ich auch echte (triviale) Angst, würde ich sagen.

🐕 5 aggressive, große Hunde gingen mich in einer, zu der Zeit, menschenleeren Gegend hinter Cuba (NM) an. Hatte nur meine zwei Stöcker zur Verteidigung. Alle Möglichkeiten zum Rückzug, zur Flucht oder zur Verteidigung waren im Kopf sehr schnell durchgerechnet. Das Ergebnis nicht so berauschend. Der (dann auch erfolgreiche) Plan war der selbstbewusste Rückzug. Worst case z.B. in ein naheliegendem Wohnhaus die Tür eintreten oder da auf’s Dach. Lacht nicht …

Hatte danach noch zweimal ähnliche Vergnügen, aber nur mit je zwei Hunden. Da hatte ich aber dann schon meine Eisaxt, die Stöcker und genug Selbstvertrauen. Somit keine Angst vor den Hunden. Aggressiv (oder garnicht) erzogene Hunde scheinen hier echt Thema zu sein. Gibt viele Warnungen in den Hiker-Foren.

🌩️ Das Gewitter nach der Übernachtung auf dem Mont Elbert (4401 m). Auch hier waren die Alternativen sehr übersichtlich und die Gefahr (Entladungen) gegenwärtig. Hals/Schulter kribbelt es rein, am Fuß wieder raus. Ich war ja praktisch in der Gewitterwolke. Rucksack schnell einen kleinen Absatz, weg von mir, runtergerollt (Eisaxt/Steigeisen), mich hinter eine kleine Steinwand gekauert und alles gegen zu viel möglicher Schrittspannung getan, falls ein richtiger Blitz kommt. Runter ging es nicht mehr rechtzeitig.

Die Gewitter letzte Woche, nicht schön aber keine richtige Angst, vielleicht einschüchternd. Ich war auf keinem Berg und in der Landschaft gab es Verkehrsschilder, Weidezäune und Rindergitter. Viel Metall, hoffte das mögen Blitze mehr als mich. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Bin normal weitergelaufen. Kann mich ja nicht flach auf die Straße legen, da hätte ich dann wirklich Angst, überfahren zu werden.

🐍 Jetzt wieder ernst: Bin ja einmal auf eine Klapperschlange getreten, da hatte ich keine Zeit Angst zu haben 😉. Möglichst schnell erfassen wo sie sich danach befand, war wichtiger. Im Nachhinein war es hochgradig unangenehm, der Schrecken steckte mir länger in den Knochen.

Dann traf ich eine im Gebüsch, sah nicht wo sie war. Das war auch sehr unangenehm. Aber auch da war das Orten, auch mit Hilfe der Wanderstöcke, wichtiger als Angst bekommen. Das Tier will ja auch keinen Stress, ich tappse durch seine Wohnung, störe es. Freut sich, wenn ich wieder gehe.

🐻 Bisher keine Angst vor Bären. Weiter weg und nur Schwarzbären. Grizzly-Land kommt jetzt. Da werde ich die Regeln strickt einhalten. Spray, weiß ich noch nicht. Die tote Day-Hikerin gab es vor 3…4 Wochen ja wirklich. 😢


Interessant

Was mich nicht anders Handeln lässt, ist das erstmalige Mitführen eines Notrufsenders. (Hierzu reiche ich noch eine Geschichte aus der Arktis nach. 😁) An wirklich keiner Stelle hat das Gerät eine Entscheidung beeinflusst.

Das halte ich generell für einen guten Plan: Mitnehmen aber deswegen nicht übermütig werden.


Was beeinflusst das Thema Angst/kritische Situationen bei mir evtl. positiv?

Einige Urlaube die auch nicht ganz easy waren. Risiken können mit Erfahrung deutlich besser eingeschätzt oder gar vermieden werden. Das gibt Selbstvertrauen. Wenn dass nicht zur Selbstüberschätzung wird, ist alles fein. 😉

Es macht mir Spaß Themen/Situationen möglichst schnell und in einer sehr hohen Zugtiefe (würde man beim Schach sagen) zu durchdenken.

Die Fähigkeit etwas nicht zu machen, auch wenn es (anderen) komisch erscheint, hilft. Hierzu hätte ich noch eine Geschichte vom meinem ersten 100 km Lauf. Wollt ihr…

Eine leicht positive angehauchte Grundeinstellung? Wird schon! 😎


Beim weiter Nachdenken, über der Urlaub hinaus, finde ich genügend Situationen, wo ich sage, da hatte ich echt Angst. Im jeweiligen Moment steht oft die Lösung der Situation im Vordergrund.

So viele Buchstaben, nur weil ich die Frage: „Hatte ich Angst vor dem 🐻?“ etwas genauer beantworten wollte.

Gute Nacht von El Dze im lauten Wind.